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Absichtserklärung über

"NATURA 2000 und Sport"

zwischen dem

Landessportverband Schleswig-Holstein e. V.

und dem

Ministerium für Umwelt, Natur und Forsten
des Landes Schleswig-Holstein



Sport und Umweltschutz haben gemeinsame Interessen. Denn eine intakte Umwelt ist die wichtigste Voraussetzung für eine gesunde und attraktive Sportausübung. Wer heute Sport und Freizeit sagt, muss auch Natur und Umwelt sagen. Denn Sport und Natur, das sind heute die beiden großen Gebiete, in denen die Menschen einen Ausgleich für den Alltagsstress suchen und finden.

Das Erleben von "ursprünglicher" Natur hat außerdem eine große Bedeutung für unser körperliches und seelisches Wohlbefinden. Nur der unmittelbare Kontakt kann in unserer sinnlichen und seelischen Beziehung zur Natur dauerhaft positive Reaktionen bewirken, und nur so kann die Natur in unserem Bewusstsein eine entsprechende Wertschätzung erlangen. Das Erleben von Natur lässt uns fühlen, Teil eines größeren Systems und von diesem abhängig zu sein, lässt uns Entspannung und Ruhe erfahren und ist notwendig zur körperlichen und seelischen Gesundheit des Menschen, die gleichzeitig auch sein intaktes soziales Umfeld umfasst.

Sport und Naturschutz sind sich einig, ihre Belange auf der Basis der Agenda 21 voranzubringen. Der Schwerpunkt zur Lösung des Problemfeldes Sport und Umweltschutz aus der jeweiligen Sicht von Landessportverband und Umweltministerium soll für beide Seiten dabei in einem integrativen und kooperativen Ansatz liegen. Konzepte zum Schutz der Natur und zur Entfaltung eines naturverträglichen Sports sollen gemeinsam von Sport und Umweltschutz erarbeitet und umgesetzt werden.

Vor diesem Hintergrund ist beabsichtigt, für das europäische ökologische Netz von Schutzgebieten "NATURA 2000" ein derartiges Konzept zu erstellen und freiwillig zu vereinbaren.

Der rechtliche Hintergrund dabei sind die Richtlinie 79/409/EWG vom 02.04.1979 über die Erhaltung der wildlebenden Vogelarten (Vogelschutzrichtlinie) und die Richtlinie 92/43/EWG vom 21.05.1992 zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen (FFH-Richtlinie). Art. 4 Abs. 1 der FFH-Richtlinie verpflichtet die Mitgliedstaaten der Europäischen Union, anhand vorgegebener Auswahlkriterien für ihren Hoheitsbereich eine Liste schützenswerter Gebiete aufzustellen. Die darin aufzuführenden Gebiete werden von den Bundesländern ausgewählt und über das Bundesumweltministerium an die Europäische Kommission gemeldet. Daraus entsteht das europaweite Schutzgebietsnetz NATURA 2000. Bestandteile dieses Netzes sind nach Art. 3 Abs. 1, Unterabsatz 1 der FFH-Richtlinie auch die Gebiete nach der Vogelschutzrichtlinie. Die Mitgliedstaaten wurden verpflichtet, die Regelungen der FFH-Richtlinie in nationales Recht umzusetzen. Dies ist inzwischen mit dem Zweiten Gesetz zur Änderung des Bundesnaturschutzgesetzes vom 30. April 1998 geschehen. Sowohl die FFH-Richtlinie als auch die Vogelschutzrichtlinie haben für die zu erhaltenden Lebensräume und Arten ein Verschlechterungsverbot zum Ziel. Das heißt: Der jetzige Zustand der Schutzgebiete ist zumindest zu erhalten. Es ist - mit Ausnahme der Verträglichkeitsprüfung nach Art. 6 der FFH-Richtlinie - den Mitgliedstaaten freigestellt, auf welchem Wege sie das Ziel erreichen. Eine der angebotenen Möglichkeiten sind vertragliche Vereinbarungen (s. § 19b Abs. 4 BNatSchG).
Vor diesem Hintergrund und im Hinblick auf bisheriges gemeinsames Handeln - als Beispiel seien etwa die 11 Grundregeln für Wassersportler des MUNF und des LSV vom Mai 1993 genannt - soll auch der Schutz der NATURA 2000-Gebiete partnerschaftlich und im Rahmen einer vertrauensvollen Zusammenarbeit gestaltet werden.

Dies dient der Vereinfachung bei der Handhabung der EU-Richtlinie. In der Vereinbarung werden die Möglichkeiten und Bedingungen für die Ausübung sportlicher Tätigkeit beschrieben und festgelegt. Ausgehend vom Verschlechterungsverbot wird in aller Regel die bisherige sportliche Ausübung als Grundlage für Vereinbarungen herangezogen. Soweit dies mit den Erhaltungszielen der Gebiete vereinbart ist, sollten aber auch erkennbare Weiterentwicklungen im Bereich des Sports einbezogen werden. Der LSV übernimmt es, die Sportlerinnen und Sportler über die eingegangenen vertraglichen Regelungen zu informieren und wird gemeinsam mit den Verbänden und Vereinen auf deren Beachtung hinwirken. Über die Ergebnisse soll jährlich in einem Erfahrungsaustausch berichtet werden. Dabei soll aufgezeigt werden, welche neuen Entwicklungen sich abzeichnen. Sollte die Vereinbarung zur Regelung der sportlichen Nutzung der Schutzgebiete den rechtlichen Anforderungen nicht genügen, wird das MUNF unter Beteiligung des Sports die weiteren Schutzmaßnahmen insoweit entsprechend den vereinbarten Regelungen gestalten.

Die Freiwillige Vereinbarung wird zunächst als Rahmenvereinbarung entwickelt. Auf dieser Basis werden nach einem standardisierten Verfahren für die jeweiligen Gebiete auf Ortsebene unter Beteiligung der betroffenen Sportvereine, Kreissportverbände und Landesfachverbände sowie der Naturschutzverbände Einzelvereinbarungen zwischen LSV und Land getroffen. Der Landessportverband Schleswig-Holstein und das Ministerium für Umwelt, Natur und Forsten sehen in der Rahmenvereinbarung über das Netz NATURA 2000 und den Einzelvereinbarungen die Möglichkeit, den hohen gesellschaftlichen, Stellenwert des Sports zu sichern und zusammen mit dem Schutz der Natur weiterzuentwickeln. Dies kann und soll zu einer Verbesserung der augenblicklichen Situation in den verschiedenen Sportbereichen wie auch in den Schutzgebieten führen.

Da Sport auch eine zunehmend große Rolle im Bereich des nachhaltigen Tourismus spielt, soll dieser Aspekt - wo nötig und erwünscht - mit berücksichtigt werden.

Um letztendlich gleichfalls die Vernetzung des Sports im Rahmen der Agenda 21 voranzutreiben, wird von den Seiten des Landes dem Sport die generelle Unterstützung bei Vorhaben und Aktivitäten auf diesem Gebiet zugesichert.


Kiel den 02.05.2002

Dr. Ekkehard Wienholtz
Präsident des Landesportverbandes
Schleswig-Holstein e.V.


Klaus Müller
Minister für Umwelt, Natur und Forsten
des Landes Schleswig-Holstein


Ralf Schmieden
Schatzmeister des Landesportverbandes
Schleswig-Holstein e.V.



Landes-Kanu-Verband Schleswig-Holstein e.V.
http://www.kanu-sh.de/