[Homepage]  [Wildwasser]  Wildwasser-Lesebuch[Termine]


WILDWASSER-LESEBUCH
und ein Wildwasserlehrgang in 7 Lektionen
von Johannes Wohlers, SV Hamberge-Hansfelde e.V.

...für Leute, die sich auf wichtige Rennen vorbereiten, allein unterwegs sind und trotzdem erfolgreich sein wollen. Denn: Ohne meine genialen Ratschläge wäre das Leben nur halb so leicht!

Zur Vorbereitung

Florian Wohlers (SV Hamberge)Wenn Du diese folgenden Abschnitte gelesen hast, werden Dir wahrscheinlich die vielen Befehlsformen auffallen. Ich halte diesen Stil meines Schreibens zwar für problematisch, weil eine Vorbereitung auf dem Wildwasser harte Arbeit bedeutet und harte Worte nicht unbedingt ausgleichend wirken, aber vielleicht gehst Du nach der Lektüre einfach ein Eis essen und erholst Dich dabei von dem Text. Es soll nur klar werden, daß Du Dich nicht mit einem leidlich guten Weg zufrieden geben darfst. Nichts ist uneffektiver als eine Fahrt einfach nur so den Fluß herunter. Es muß immer noch ein bißchen besser gehen.

Die ersten Fahrten werden wahrscheinlich Unzufriedenheit auslösen. Das blöde Boot will nicht so fahren wie Du willst, Wildwasserfahren ist sowieso viel zu anstrengend und alles geht kaputt, im letzten Jahr ging alles viel besser, usw. Wichtig ist allein, dass Du dieses Prinzip kennst und versuchst so schnell wie möglich darüber zu lachen, um dann souverän paddeln zu gehen. Erstes Ziel muss sein, dass Du Freude am Trainieren auf Wildwasser hast.

1. Du musst Deine Steueraktionen und die Schleuderwege des Bootes in den Griff kriegen. Das Boot wird durch Ankanten und sinnvolle, effektive Vorwärtsschläge gesteuert! Glaub' mir, am Anfang schleuderst Dein Boot und durch Deine Korrekturschläge verbrauchst Du viel zu viel Kraft. Vielleicht hast Du auch Angst und traust Dich nicht vorwärts zu paddeln. Dein Bremsen hat aber als Folge, dass Du noch schlechter den Weg treffen kannst. Das nervt ziemlich. Trotzdem: Sei freundlich zu anderen Menschen, auch wenn Du genervt bist!

2. Deine Fahrtroute muss die Gegebenheiten des Flusses berücksichtigen, so dass Du oben auf den Wellen Deine Steuerschläge ansetzt. Denn hier ist die Spitze Deines Bootes frei und läßt sich besser dirigieren. Richtungsänderungen musst Du von außen nach innen fahren. Wenn Du in einer Passage nach links musst, dann musst Du vorher rechts sein, um von rechts nach links fahren zu können. Dein Weg besteht immer aus einem Vorher und Nachher. Berücksichtige das auch bei Deinen Korrekturschlägen.

3. Du musst Dich auf dem Fluss immer wieder zwingen, den direkten Blick vor Deinem Boot zu lösen und einen Fernblick zu wagen. Das ist zum Einen wichtig, damit Du nicht verkrampfst und so frei und schneller paddeln kannst. Zum Anderen musst Du einen permanenten Wechsel von Nahblick und Fernblick einrichten, damit Du Deinen Weg auf dem Fluss immer kontrollieren kannst.

4. Achte auch auf Deine Paddeltechnik. Dazu sage ich jetzt nicht mehr viel, denn wenn Du soweit bist, dass Du an die Technik denken kannst, dann hast Du auf jeden Fall ein souveränes Stadium erreicht.

So, wenn Du also endlich Spaß am Paddeln auf dem Wildfluss gefunden hast, dann lehne Dich nicht zurück und paddel einfach nur die Strecke herunter. Tauche Dein Paddel weit vorn ein und führe Dein Boot direkt. Du musst der Schnellste sein und das kommt nicht so einfach von allein. Gut ist es unterschiedliche Wege auf ihre Schnelligkeit zu testen. Dazu muss aber in der Höchstgeschwindigkeit gesprintet werden. Ansonsten hat das Ausfahren keinen Sinn.

Florian Wohlers (SV Hamberge)
Florian Wohlers (SV Hamberge)

Deine Trainingsfahrten müssen intensiv und angestrengt sein. Lieber eine Fahrt weniger dafür aber alle schnell. Du wirst sehen, Du machst mehr Patzer, wenn Du schnell fährst. Das musst Du üben (wahrscheinlich erst ab dem dritten Tag, auf keinen Fall jedoch bereits am ersten). Es ist besser hier von Patzern zu sprechen als von Fehlern. Diese Patzer bedeuten unkonzentriertes und unkontrolliertes Fahren. Gib' Dir mehr Mühe in den schwierigen Stellen sauber zu fahren. Jede Welle und Walze kann Dir einen Schub nach vorn geben oder Dich abbremsen. Du sollst natürlich den Schub nach vorn bekommen. Dann erreichst Du eine Phase, in der Du in einen Geschwindigkeitsrausch paddelst. Das solltest Du erleben. Denn nun kannst Du völlig frei und unheimlich schnell den Fluss heruntersprinten. Von einer Stelle zur nächsten und jede Schikane macht mehr Spaß. Dein Fahrstil soll zeigen: Hier macht mir das Paddeln Spaß. Ich hab' mein Boot und den Fluss im Griff! Diesen Zustand kannst Du bereits im Training erreichen. Er bedeutet aber nicht, dass Du geistesabwesend und in Trance paddelst, sondern zeichnet sich durch eine übermäßige Konzentration auf Deine Abfahrt aus.

Wenn Du diesen Abschnitt gelesen hast, werden Dir wahrscheinlich die vielen Befehlsformen aufgefallen sein. Ich denke dieser Stil meines Schreibens ist trotzdem richtig, weil eine Vorbereitung auf dem Wildwasser harte Arbeit bedeutet. Es sollte klar sein, dass Du Dich nicht mit einem leidlich guten Weg zufrieden geben darfst. Nichts ist uneffektiver als eine Fahrt einfach nur so den Fluss herunter. Es muss immer noch ein bisschen besser gehen. Erst, wenn Dir die Rennstrecke kurz erscheint, dann hast Du sie verstanden. Deshalb akzeptiere den Befehlston bitte und sieh in ihm eine Aufforderung den Fluss, die Strecke, das Rennen, den Wettkampf zu erarbeiten.


Wildwasserlehrgang in 7 Lektionen

Diese Lektionen sollen der Reihe nach bearbeitet werden. Allerdings ist es nicht richtig, wenn mit der nächsten Lektion erst begonnen wird, wenn die vorherige perfekt abgeschlossen ist. Vielmehr sollte pro Trainingseinheit im WW eine Lektion zum Thema gemacht werden und diese bewusst und gezielt studiert werden. Dieses Studium soll ein Selbststudium des Kanuten sein, denn schließlich muss jeder selbst sein Boot organisieren können. Diesem Wildwasserlehrgang liegt die Auffassung zugrunde, dass Menschen prinzipiell über das, was sie tun mehr oder weniger intensiv nachdenken. Warum sollte man also das Nachdenken nicht ein wenig in Schwung bringen? Zum einen sollen die Lektionen dieses Lehrgangs das Nachdenken überhaupt anregen und intensivieren und zum anderen sollen hier Denkanstöße gegeben werden, die ausgebaut, ergänzt, weiterentwickelt oder verworfen werden können. Es könnte ja sein, dass Bewegungen durch ein darüber-nachdenken besser werden. Insofern soll dieser Lehrgang nicht eine Übungsreihe zum Wildwasserfahren sein, sondern Stoff zum Begreifen, Verstehen und Nachdenken über das Wildwasserfahren.

Alle Lektionen können innerhalb eines einwöchigen Lehrgangs, bzw. im Zusammenhang damit angegangen werden. Alle Lektionen sollten aber immer wieder thematisiert werden, denn es gibt noch keinen Kanuten, der alles perfekt beherrschen würde, geschweige denn jemand, der genug darüber nachgedacht hätte.

Die Konzeption eines Wildwasserlehrgangs in Form von Lektionen ist ein Versuch die komplexe Sportart Wildwasserrennsport zu verstehen und Jugendlichen leichter näher zu bringen. Das Ziel der Ausbildung für Jugendliche ist, alle Lektionen durchdacht und in Bewegung umgesetzt zu haben. Damit wäre ein theoretischer Grundstein gelegt, um die Faszination einer Wildwasserabfahrt, in der alles gelingt, voll zu erleben.

Weitere Lektionen zu den Themen "Strecke", "Angst vor schwierigen Strecken überwinden" und "Bootsreparatur" sind in Arbeit...

Lektion 1
Vorwärts paddeln - keine Rückwärtsschläge

Die Strömung des Flusses schiebt das Boot und übernimmt so die Steuerung des Bootes. Das Problem dabei ist, dass es der Strömung egal ist, ob das Boot gegen Felsen gedrückt wird oder drumherum fährt. Also muss schon der Kanute selbst dafür aktiv werden. Da sich aber nur ein Boot steuern lässt, das schneller als die Strömung ist, weil es ja sonst von ihr dirigiert wird, muss vorwärts gepaddelt werden. Zwangsläufig ist jeder Rückwärtsschlag total sinnlos. Das ist ein Naturgesetz und wer versucht dieses Gesetz zu umgehen wird sehr schnell Lektion 10 (Reparatur) lernen müssen. Außerdem macht es einfach nicht halb so viel Spaß einen Fluss runterzubremsen, wenn man ihn auch runtersprinten könnte.

Die Konsequenzen für das Training zu Hause sind damit auch klar: Wer auf dem Wildwasser vorwärts paddeln will, muss stärker sein, als jemand, der auf ruhigem Wasser vorwärts paddeln kann. Wer also auf ruhigem Wasser zu Hause trainiert, muss sich irgendwie die Stärke für das Wildwasserpaddeln separat organisieren.

Lektion 2
Nahblick - Fernblick

Alles Vorwärtsgepaddel nützt nicht viel, wenn man die Wege nicht kennt. Beim Lesen des Flusses gibt es einen Trick, der es leicht macht die richtigen Wege zu erkennen und sicher zu befahren. Man kann seine Blickeinstellung wechseln. Man kann in die Ferne blicken und schauen: Wie verläuft der Fluss? Welche Stellen kommen als Nächste? Und man kann direkt vor die Bootsspitze gucken und die Steine direkt vor dem Bug erkennen. Beide Einstellungen müssen geübt werden. Zudem muss der Rhythmus des Wechselns geübt sein. Wenn die Befahrung der ersten Stelle sich dem Ende neigt, muss klar sein, wie die zweite Stelle aussieht und wo diese befahren werden soll. Wenn dann in die zweite Stelle eingefahren wird, muss der Blick vor die Boostspitze gehen, um die optimale Route zwischen Steinen und Kehrgewässern zu finden.

Das Problem ist häufig, dass sich nach mehreren Fahrten ein Tunnelblick für die vermeintlich optimale Route eingeschlichen hat. Dieser Tunnel führt nicht nur zu einer Einengung des Blickes und damit der Möglichkeit alternative Routen zu finden, sondern auch zu einer Verkrampfung und Versteifung im Paddeln. Beides ist schlecht, also sollte der Tunnelblick schnellstens wieder aufgelöst werden, spätestens jedoch im Zuge einer gezielten Wettkampfvorbereitung.

Lektion 3
Vorausschauendes Fahren - "Boot vorbereiten und stellen"

Alles Vorwärtsgepaddel und vorausschauendes Fahren führt nun zu der erwünschten Steigerung der Geschwindigkeit. Um aber damit klarzukommen, müssen die Ergebnisse des Fernblickes besser ausgenutzt werden. Und dass geht so: Man nehme die Richtung aus den Ergebnissen des Fernblickes und entwerfe einen vorläufigen Plan einer Route für die kommende Stelle. Nun muss das Boot für diese Route vorbereitet werden. Also müssen Bug, Sitz und Heck (als die markanten Bereiche des Bootes) in die nötige Position gebracht werden. Wenn z.B. eine schräge Kiesbank befahren werden soll, an deren Ende das Wasser an einer Seite zu einer Stromzunge zusammenläuft neben der ein Kehrwasser ist, auf dessen Grenzlinie entlanggefahren werden soll, dann muss das Boot schon vor der Einfahrt auf die Kiesbank so gestellt werden, dass unten die Weiterfahrt ohne eine Ecke oder Kurve möglich ist. Die Kiesbank muss also mit einem quer gestellten Boot befahren werden. Die Bereiche Bug, Sitz und Heck sind insofern voneinander zu unterscheiden weil mit diesen drei Punkten am Boot die Richtung, die es einschlagen soll genau festgelegt werden kann. Es ist möglich mit dem Bug und einem Teil des Vorschiffes über einen Stein hinweg zu fahren und erst kurz vor dem Sitzbereich das Boot seitlich an dem Stein vorbeirutschen zu lassen. Genauso lassen sich Absätze runterspringen, die eine vermeintlich enge Durchfahrt unter Wasser haben. Diese Durchfahrten müssen nur so breit sein, wie ein Heck, das in diese Schlitze hineinfallen kann.

Lars Walter (SV Hamberge)
Lars Walter (SV Hamberge)

Wildwasserfahren ist in diesem Punkt eine streng logische Sportart. Es gibt Kehrwasser, die angeschnitten werden müssen und es gibt Kehrwasser bei denen man dieses auf keinen Fall tun soll. Genauso gibt es für jede Durchfahrt einen optimalen Winkel, der für die Weiterfahrt am besten ist. Für einen Rennfahrer ist es unabdingbar von jedem Kehrwasser und jeder Stromzunge auf der Rennstrecke zu wissen in welchem Winkel er diese mit Vollgas anfahren muss. Insofern geht diese Lektion in einem zweiten Schritt dahin, dass nicht nur bei Trainingsgeschwindigkeit die Routenplanung auswendig gelernt werden muss, sondern auch bei Höchstgeschwindigkeit. Diese Lektion muss also auch im Zusammenhang mit einer Zeitfahrt weiterentwickelt werden.

Lektion 4
Mit Ankanten steuern - Steuerschläge minimieren

Diese Lektion ist eher für die Rennfahrer und leistungsorientierten Kanuten im Wildwasser gedacht, aber wenn man sich nun schon durch die ersten drei Lektionen gearbeitet hat, sollte man sich ruhig auch mal an dieser hier versuchen. Schließlich sind die Basics nun bekannt und können erweitert werden. Sinnvoll wäre es, wenn diese Lektion in wettkampfspezifischen Tempo oder wenigstens in sehr zügiger Geschwindigkeit probiert wird.

Grundlage ist wieder das Naturgesetz der ersten Lektion: Ein Boot, das schneller ist als die Strömung lässt sich steuern, ein Boot, das nicht schneller ist, kann nicht effektiv gesteuert werden. Die nötige Geschwindigkeit ist durch Vorwärtsschläge zu erreichen. Was aber, wenn nun Kurven gefahren werden sollen ? Dieses gelingt entweder durch Steuerschläge oder durch Ankanten des Bootes. Die Steuerschläge haben zwei Nachteile: 1. Sie verringern durch ihren geringeren Vortrieb den Antrieb des Bootes, also die Geschwindigkeit und 2. Sie bewirken meist eine größere Richtungsänderung als erwünscht und benötigen eine Gegenreaktion in Form eines weiteren Steuerschlags. Auch dieses kostet Geschwindigkeit. Außerdem verhindert ein nötiges Gegensteuern ein rechtzeitiges Vorbereiten des Bootes auf die nächste Route. Durch das Ankanten ohne große Steuerschläge können sowohl die Vorwärtsschläge beibehalten werden als auch das Boot schneller in neue Richtungen dirigiert werden. Ziel soll ein elegantes Arbeiten mit dem Boot und dem ganzen Körper im Wildwasser sein, das harmonisch der Route auf dem Wasser entspricht und auf die Schwierigkeiten der Strecke vorausahnend Bezug nimmt.

Im Wildwasser kann nicht ohne Steuerschläge ausgekommen werden, aber es muss das Ziel eines Wildwasserrennfahrers sein, diese Steuerschläge zu minimieren. Beobachten kann man bei guten Wildwasserfahrern, dass ihre Boote direkt und genau reagieren und in jeder Situation unter Kontrolle sind. Sie können die Boote schnell auf neue Routen vorbereiten, es sieht aus, als ob sie ihre Boote mit dem Paddel führen. Weniger routinierte WW-Fahrer lassen ihr Boot gehen, das führt dazu, dass das Boot den Fluss herunterschleudert und nicht geführt wird. Ziel muss sein, dass das Boot durch minimale Steuerschläge und gezieltes Kanten den Fluss heruntergefahren wird. Interessant wäre die Antwort auf die Frage: Fährt man mit dem Boot den Fluss herunter oder fährt man das Boot den Fluss herunter?

Lektion 5
Paddeltechnik im Wildwasser Angst beherrschen, frei und unbeschwert Paddeln

Auch im Wildwasser muss gezielt die Paddeltechnik dem biomechanischen Optimum angenähert werden. auch wenn im wilden Wasser die individuellen Ausprägungen prägnanter werden sollte diese Lektion nicht vernachlässigt werden. Ich glaube die individuelle Note im Wildwasser kommt daher, dass jeder Sportler auf seine eigene Art seine Gefühle gegenüber dem Wildwasser in seiner Technik artikuliert und versucht seine Lesart des Flusses möglichst optimal auszudrücken. Wildwasserkanuten halten sich also nicht absichtlich nicht an biomechanische Gesetze. An dieser Erkenntnis anknüpfend müssen dem Sportler nun diese Gesetze und ihr Vorteil im Wildwasser verdeutlicht werden. Mit anderen Worten: Videoanalysen bei denen der Sportler sich selbst beurteilen kann und eine Grundbildung in Biomechanik.

Drei der häufigsten Probleme, die im Wildwasser auftreten und Unsicherheit oder Angst artikulieren, seien noch genannt:

1. Das Paddel wird nicht steil gehalten und nach außen geführt. Dadurch erreicht man einen niedrigeren Schwerpunkt der Sicherheit gibt. Dieses Verhalten ist also logisch, aber uneffektiv für den Vortrieb.

2. Die Paddelblätter werden nach vorn aufgedreht eingesetzt und dann im Durchziehen auch eher nach vorn geöffnet gelassen. Der Paddelschlag wird zu einem Stützschlag und schafft auch wieder Sicherheit, die Vortriebleistung geht aber gegen null. Damit lässt sich aber kein Boot vernünftig steuern.

3. Besonders im Canadier wird das Paddel zuviel als Bremse eingesetzt. Der Canadierfahrer könnte denken, dass dadurch das Boot keine unkontrollierbare Geschwindigkeit erreicht und durch die Verzögerung eine längere Zeit zum Steuern herausspringt. Mit diesem Trick kommt der Canadierfahrer zwar überall durch, aber er lernt nie das Steuern mit Kanten und das schnelle Paddeln im Wildwasser.

Lektion 6
Wildwasser lesen

a) Strömung nutzen => Steuerung
In dieser Lektion geht es darum, dass die Gegebenheiten des Flusses genutzt werden können, um die Steuerungsvorgänge zu erleichtern. Die Route kann mit Hilfe von abbremsenden Elementen, die im Gegensatz zu schiebender Strömung stehen, leichter angesteuert werden. Das bedeutet, wenn ich mit der Spitze in ein Kehrwasser leicht einsteche, dann befindet sich die Spitze in langsamer fließendem Wasser, so dass mein Boot in die Richtung des Kehrwassers dreht. Entscheidend ist der Strömungsgeschwindigkeitsunterschied von zwei nebeneinanderliegenden Wasserflächen in die je mit dem Bug und dem Heck eingefahren wird.

Diese Möglichkeit zur Steuerung bereitet dem Anfänger Probleme, weil er das Potential nicht kontrolliert nutzen kann. Mit zunehmendem Können steigt die Kontrolle und das Potential kann genutzt werden. Viel Spaß mit:

i.Kehrwasser anschneiden
ii.Walzen anschneiden
iii.langsames Wasser neben Stromzungen

b) Strömung nutzen => Schnelligkeit
Niemand ist schnell genug im Wildwasser. Es gibt immer noch eine Chance das potential des Flusses besser zu nutzen und ein Fünkchen mehr Geschwindigkeit aus dem Wildwasser zu kitzeln. Folgende Parameter können hier eine Orientierung geben:

i.nicht zögern bei der Einfahrt in Stellen
ii.Stromzungen suchen, Blick auf die Strömung richten
iii.Kehrwasser meiden
iv.Innenkante der Hauptströmung, neben den Wellen als kürzesten Weg mit Strömung suchen
v.Walzenschub nutzen
vi.V-Zungen suchen und nutzen
vii.Passagen mit paralleler Wellenbildung so durchfahren, dass die Richtung stimmt ohne dass das Boot in den Wellen abtaucht. Das geht indem man die Wege zwischen zwei Wellen nimmt, weil hier Auftriebsdruck ohne Wellenhöhe entsteht.

Lektion 7
Material organisieren
Diese Lektion ist nur eine Zusammenstellung der wichtigsten Utensilien über deren Vorhandensein und Funktionalität beim Wildwassertraining nachgedacht werden sollte. Eine qualitative Beschreibung würde dem Drang nach Individualität bei Leistungssportlern wiedersprechen. Daher stelle ich nur eine Liste vor:

a) Klamotten
i.Helm
ii.Schwimmweste
iii.Paddeljacke mit guten Abschlüssen
iv.Passende Spritzdecke oder
v.Kombi
vi.Neohose
vii.Heli schnelltrocknende Unterziehsachen
viii.Schuhe
ix.Paddelhandschuhe
x.Umziehklamotten für nach dem Paddeln

b) Paddel
i.Ersatzpaddel einpacken
ii.Paddel regelmäßig, mind. 1x am Tag, prüfen
iii.Paddelschoner für den Transport organisieren
iv.Paddel auf der Fahrt im Boot festbinden

c) im Boot
i.festgeklebte Versteifungsklötze haben
ii.sinnvoll platzierte Auftriebskörper
iii.Rückengurt glatt und passend eingestellt
iv.Fußstütze passend
v.Schenkelstütze für guten Halt
vi.Sitz vorn hochdrücken um nicht runterzurutschen, evtl. nach Belieben seitlich anpassen
vii.Uhr

d) am Boot außen
i.Boot vor der Reise tiptop vorbereiten
ii.Abklebungen glatt anbringen
iii.Schoner in gutem Zustand haben und vor der Abreise aufkleben
iv.Bootsbezug für die Fahrt organisieren
v.Lukendeckel


Zum Rennen

Im Rennen entscheidest allein Du über Erfolg oder Misserfolg. Das ist zwar einfach, aber nun einmal so. Alles was vorher war, ist egal, Du musst Deine Leistung bringen.

Eine Variante um erfolgreich zu sein, ist, seine Ziele niedrig anzusetzen. Das ist meiner Meinung nach Blödsinn. Eine andere Möglichkeit wäre wie ein Verrückter auf Biegen und Brechen das Rennen fahren zu wollen. Auch nicht besonders sinnvoll, denn spätestens bei technisch schwierigen Stellen liegt man im Bach oder man fährt sein Boot kaputt. Ich denke, das beste ist, wenn man sich mit seiner ganzen Persönlichkeit im Rennen einsetzt. Das ist zwar ein hoher Einsatz, aber schließlich geht es nur um einen Wettkampf. Man muss sagen können: "Ich will jetzt dieses Rennen gewinnen oder wenigstens ein unmögliches Ergebnis möglich machen."

Du hast im Wettkampf die einmalige Chance mit Deiner eigenen Leistung Geschichte zu schreiben, die sofort zu sehen ist. Dazu musst Du Dich mit Deinem ganzen Willen für das Rennen entscheiden und Dich 100% einbringen. Erst wenn Du es schaffst Dich auf das Rennen voll und ganz einzulassen, dann sind andere Gedanken und Gefühle egal und Du kannst Dich auf Deine Fahrt konzentrieren. Das erfordert eine abgeklärte Konzentration., schließlich willst Du ja nicht auf den Sieg hoffen und spekulieren, sondern mit Deiner Leistung die anderen besiegen. Deshalb heißt abgeklärt, dass Du Höchstgeschwindigkeit technisch einwandfrei und höchstkonzentriert fahren musst, ohne zu verkrampfen. Wahrscheinlich sind dies keine bahnbrechenden Neuheiten, aber mit Sicherheit im Wildwasser schwierig genug zu umzusetzen.

So, und nun viel Spaß und viel Erfolg!!!


Nachtrag: Material & Lifestyle

Unheimlich wichtig ist es, gut vorbereitet die Reise zu beginnen. Die Boote müssen heil und mit Schonern beklebt sein, die Flicktasche gepackt und / oder die Taperolle dabei sein. Rechtzeitiges Vorbereiten ist angesagt!

Vor Ort ist eine häufig verbreitete Unsitte zuerst zu duschen, zu essen, zu schnacken oder sonstwie rumzutrödeln. Dem Training und der Wettkampfvorbereitung dient das nicht wirklich. Während und nach dem Training muss zuerst das Material überprüft werden. Tesa muss unbedingt sofort von den kaputten Stellen entfernt werden, damit diese trocknen können. Schließlich soll das Material noch am gleichen Tag repariert werden (meist reicht zum Training ein neues Tape!).

Danach kann dann das Leben anderer Länder genossen werden. Hierzu gehört allerdings auch, dass Du Dich wenigstens mal mit einer Karte beschäftigst, um zu wissen, wo Du überhaupt bist. Außerdem wäre es sinnvoll, einen Reiseführer zu Rate zu ziehen. Wenn Du vergessen hast einen einzupacken, dann gibt es in jedem Ort Tourismusbüros, die Infomaterial haben. Eine Menge gibt's umsonst. Sieh zu, dass Du nicht nur zum Paddeln unterwegs bist, sondern auch etwas von der Welt mitbekommst.



Landes-Kanu-Verband Schleswig-Holstein e.V.
http://www.kanu-sh.de/