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Aktueller Bericht der Einzelmitglieder

Nach Corona ist Wismar – SH-Einzelmitgliedertreffen 2022 in Wismar

Von Werner Münch, Brunsbüttel (Text und Fotos)

Wegen der unliebsamen Covid-19-Pandemie sind zwei Einzelmitgliedertreffen abgesagt worden! Zwar gab es 2021 ein „ad-hoc-Treffen“ unter Corona-Bedingungen für Stammteilnehmer, aber es war nicht ganz dasselbe! In diesem Jahr sollte ein Treffen wieder uneingeschränkt möglich werden! Und weil wir vor 14 Jahren das letzte Mal in Wismar waren, sollte es 2022 unser Ziel sein! Mit Maik Dittberner, dem Abteilungsleiter der Kanusparte des TSG [externer Link], machte ich den Termin fest: 10. bis 12.06.2022. Leider kam das endgültige Okay erst nach dem Redaktionsschluss des DKV-Sportprogramms und das Treffen war keine offizielle Gemeinschaftsfahrt, obwohl wir eine schöne Gemeinschaft waren.

Einige der angemeldeten Einzelmitglieder wollten bereits am Donnerstag anreisen. Darum fuhren auch Manfred und ich früher hin. Endlich auf der A20, gerieten wir in eine allgemeine Verkehrskontrolle und wurden auf den Parkplatz Kronberg Süd herausgewunken. Die Polizisten waren offensichtlich Polizeischüler, denn sie zeigten einige Unsicherheiten, was mein Glück war. Wir waren dennoch die ersten, die auf dem Gelände des TSG eintrafen. Vieles hatte sich verändert. Einige Wismarer Kanuten waren aber am Bootshaus und gaben uns eine erste Einweisung. Im Laufe des Nachmittags trafen Monika, Dirk, Bärbel, Peter und Achim ein. Wir genossen den schönen Abend in unserer kleinen Runde. Umflattert von Fledermäusen probierten wir Brauers Friesengeist und diskutierten über urologische Fragen und Hörakustik. Z. B. stellten wir fest, dass Hörgeräte nicht gegen nuschelnde Gesprächspartner helfen.

Da ich kein Hörgerät brauche, bin ich am frühen Freitagmorgen durch die, sagen wir mal `Laute` unzähliger Vögel geweckt worden. Laut im wahrsten Sinne! Das gleichzeitige Getschilpe der Spatzen, Gegurre und Geflatter von Tauben, Gepfeife von Austernfischern, Geschrei von Möwen, Gekuckucke von Kuckucken, Gekrähe von Krähen und Gekeckere von Elstern war einfach unerträglich! Was denkt sich dieses Geflügel eigentlich?! Außerdem war es bereits sehr hell, so kurz vor dem Sonnenaufgang! Dann habe ich entnervt meine Ohropax rausgekramt, die Schlafmaske aufgesetzt und hab dann doch selig ausgeschlafen. Es war ein herrliches Wetter – zum Helden zeugen, wie Peter meinte. Er startete alleine in Richtung „Hohen Wieschendorfer Huk“, um für morgen zu checken, wie das Wasser bei einem solchen Wind wie heute zu erwarten ist.

Bild vom Wismarer Hafen beim Einzelmitgliedertreffen

Einzelmitgliedertreffen in Wismar 2022, Bild: Werner Münch

Monika, Dirk, Manni und ich paddelten zuerst in den Hafen, denn gestern begann das alljährliche Wismarer Hafenfest. Unten vor der riesigen Werfthalle, wirkten die drei anderen Kajaks sehr winzig. Mit 395 Meter Länge, 155 Meter Breite und 72 Meter Höhe ist sie eine der größten Dockhallen Europas. Die Werft war tags zuvor an Thyssen-Krupp Marine Systems in Kiel verkauft worden. Und drinnen steht noch das unfertige Kreuzfahrtschiff! Trotzdem bedeutet der Verkauf neue Hoffnung für die Werft. Den neuen Werftkran neben der Halle kannten wir auch noch nicht. Er wurde 2019 aufgebaut und ist mit 125 Metern jetzt das höchste Bauwerk Wismars. Im Alten Hafen war schon allerhand los. Wir hörten eine Shanty-Band im Stile von Santiano Seefahrtslieder spielen. Viele Menschen „lustwandelten“ auf den Kais. Typische Jahrmarkts-, Fisch- und Futterbuden reihten sich aneinander. Dazwischen immer mal ein Karussell oder ähnliches. Wir wendeten am Ende des Hafens (oder ist es hier der Anfang?) und sind an Wendorf vorbei unter der Seebrücke hindurch bis zum Fliemstorf Huk gepaddelt. Auf der südlichen Seite des Huks suchten wir eine Pausenstelle (zu Monikas Bedauern nicht allzu dicht neben dem attraktiven, unbekleideten Sonnenanbeter). Der Sand war sehr schlickig. Man sank tiefer ein als erwartet und zugleich wirbelte viel halbverfaultes Seegewächs auf. Nach der Pause nahmen wir den Rückweg gegen den Wind in die Bucht hinein und ließen uns nachher wieder rausschieben.

Inzwischen waren auf dem Kanugelände fast alle anderen Teilnehmer eingetroffen und hatten sich ihre Plätze gesucht. Walter und Christel hatten ihren Hund Tom dabei, und der war wohl etwas verunsichert, denn er bellte jeden an, der sich dem Wohnwagen näherte. Vielleicht hat er seinen Job als Wachhund aber auch nur ernst genommen? Weil alle schon so früh da waren, konnte ich die organisatorischen Dinge vorziehen. Doch zuvor habe ich Peter die Auszeichnung für sein „Gold-15“ und ein paar Geschenke dazu überreicht. Es gibt jetzt nicht mehr die bekannten LKV-Whiskygläser, sondern Dinge, die Paddler besser gebrauchen können: In diesem Jahr einen Packsack und einen Thermobecher. Darüber hat Peter sich sehr gefreut. Argwöhnisch untersuchte er den Anstecker und ich sagte: „Wenn da `ne 25 drauf ist, ist er falsch!“. Am Abend, eine Stunde bevor wir zum Restaurant aufbrechen wollten, kam der TSG-Camping-Verantwortliche Heiko Wilcken und machte vor allem mir Stress, weil er schon kassieren wollte, da er am nächsten Morgen in Urlaub fahren wollte. Ich musste also schnellstens die einzelnen Beträge ermitteln, wobei sich einige entschlossen hatten, zu verlängern, was aber noch nicht abgesprochen war…

Den traditionellen gemeinsamen Restaurantbesuch musste ich auf diesen Freitagabend vorverlegen. Wohl wegen des Hafenfestes mit vielen auswärtigen Gästen, konnte ich für Samstag kein Lokal in der Nähe bekommen. Die Essenvorbestellung erledigten wir noch von zuhause aus. Danke Euch, dass das so gut geklappt hat! Wir mussten etwa 2 km Fußweg oder Autofahrt auf uns nehmen. Unsere Gruppe ging zunächst durch das alte Schrebergartengebiet und nur das letzte Stück über die Straße. Jürgen, der zum ersten Mal an einem EM-Treffen teilnahm, hat mir unterwegs viel über den immer noch erkennbaren, typischen „DDR-Charme“ dieser Datschen und das Leben in der damaligen Arbeiter- und Bauernrepublik erzählt. Das gemeinsame Abendessen im Restaurant „Zur Linde“ klappte bis auf die bei so was immer wieder auftretenden Problemchen unsererseits, sehr gut. Der Geräuschpegel unserer Unterhaltungen war enorm und darum war es gut, dass man uns einen separaten Raum hergerichtet hatte. Nach dem Verdauungsspaziergang zurück zum Kanuverein, begann unsere abendliche Runde. Es gab eine Flasche Ramazotti von Walter und eine Kiste Bier von Joachim („nur so“). Rainer stellte uns für seinen neuen Holz-Canadier auch eine Kiste Bier hin. Er muss noch etwas damit üben. Mit dem Canadier, nicht mit Bierkästen. Das Teil ist recht hoch und kippelig. Damit Rainer jederzeit mit uns mitpaddeln kann, hat Peter ihm eines seiner Prijon-Boote mitgebracht. Vielen Dank an die Spender für die Getränke! Walters Hund Tom war viel ruhiger geworden, seit die Poeler Kogge „Wissemara“ ihren ersten Salutschuss abgefeuert hatte. Das kam auf jeder Rundfahrt mit Fahrgästen einmal vor. Außer der Wissemara, dem Nachbau einer vermutlichen Kogge von Timmendorf auf Poel, war die Lübecker Kogge zu Gast. Sie machten zwischen Hafen und Bucht regelmäßige Ausfahrten mit Passagieren, genauso wie drei Fahrgastschiffe. Sehr schön anzusehen war die Brigg „Eye oft he wind“, die ebenfalls Gäste zu regelmäßigen Ausfahrten unter ihren braunen Segeln mitnahm.

Foto: Spaziergang am Strand

Einzelmitgliedertreffen in Wismar 2022, Bild: Werner Münch

Um 8 Uhr am Samstagmorgen, war der geplante Aufbruch der Poel-Fahrer. Es war noch bedeckt, aber windarm. Nach ein paar Kondensattropfen kam die Sonne heraus. Reini u. Annelie im Zweier, Peter, Jürgen, Eckhard und Walter hatten sich vorgenommen, den Klassiker „Rund Poel“ zu machen (36 km offiziell). Peter Schmidt übernahm das „Kommando“. Für Eckhard und Jürgen war es die erste Poel-Umrundung. Und die Bedingungen blieben fast die gesamte Tour über ideal. Auch die Wechsel der Windrichtung! Man hätte sich geärgert, wenn man nicht gestartet wäre! Nur während der letzten Kilometer nach dem Poel-Damm, zwischen Walfisch und Wendorf, war schräger Gegenwind. Manni, Dirk, Monika und ich wiederholten unsere Tour von gestern und zeigten Nicole und Matthias den Rummel des Hafenfestes. Dort fand gerade eine Drachenbootregatta statt! Rainer und Achim machten eine eigene kleine Runde unter Land. Das Schauspiel, wie Rainer den Holzcanadier mitsamt seinen 35 kg Ballast ins Wasser brachte, war durchaus sehenswert. Auch diese Technik muss er noch optimieren. Auf unserem weiteren Weg zum Fliemstorf Huk, trafen wir die beiden unter der Seebrücke. Weil wir den Strand gestern als schlickig erlebt haben, versuchten wir es jetzt auf der Nordseite, auch, weil man von dort einen tollen Blick auf Poel hat! Hier gab es allerdings Steine und Abschnitte mit schwarz-fauligen Ablagerungen, die bei Berührung mit dem Paddel Faulgase ausströmten!! Deshalb dauerte es etwas, bis wir eine annehmbare Stelle fanden. Draußen sahen wir die Koggen und die Brigg unter Segel herumkreuzen, dazu die Ausflugsdampfer neben zahlreichen weißen Segelbooten. Über allem ein blauer Himmel mit Schäfchenwölkchen – Klasse! Rechtzeitig vor der Kaffeetafel waren wir zurück. Auch die Poelfahrer kamen zur berechneten Uhrzeit nach etwa acht Stunden an. Wir gratulierten Eckhard und Jürgen herzlich zu ihrer persönlichen Erstumrundung von Poel!

Zur traditionellen Kaffeetafel gab es wieder viele selbstgebackene, selbstgekaufte und selbstaufgetaute Kuchen und Torten! Dazu Kekse und Achims Schmalzbrote als Kontrast. Manni und ich gingen hinterher rüber zur Seebrücke. Nicole und Matthias schlossen sich an. Diese Seebrücke soll 350 Meter lang sein und man hat am Ende einen schönen Blick auf Wismar und den Hafen. Den ein- und ausfahrenden Schiffen ist man sehr nahe. Viele Menschen vergnügten sich am Sandstrand und im nicht gerade warmen Wasser. Das Wasser in der gesamten Bucht, bzw. der starke Bewuchs von Algen am Grund und am Tang, machten keinen guten Eindruck. Es wirkte alles ziemlich überdüngt – mit den üblichen Folgen! Niemand von uns hat am gesamten Wochenende irgendwelche Fische gesehen. Nur ein paar kleine Quallen und ein paar tote. Früher hatten wir hier Ohrenquallen, groß wie Pizzateller. Es muss ja Gründe haben, wenn „der Dorsch“ verschwunden ist…
Heute brutzelten sich alle selber was zum Abendessen und dann setzten wir uns wieder im Kreis zusammen und erfreuten uns weiter am gesponserten Bier. Später gab es dazu noch eine umfangreiche Probe von Annelie und Reinhards selbst hergestelltem „Aufgesetzten“. Für Mannis Ramazotti reichten die hydraulischen Kapazitäten leider nicht mehr. Joachim, genannt der Hektograf (wie sein Boot), hatte während seiner heutigen Radfahrt im Wismarer Hafen sein Portemonnaie verloren. Jemand hat es gesehen und es ihm wiedergebracht. Das gesamte Erlebnis führte er pantomimisch ergänzt mitten im Stuhlkreis vor. Sehenswert! Ich hatte Rainer gebeten, neben mir zu sitzen, weil er Raucher ist und ich hoffte, der Qualm würde die Mücken vertreiben. Rechts neben mir saß Christel, die ebenfalls raucht. Allerdings nicht heute Abend, was zur Folge hatte, dass mein rechtes Bein am nächsten Tag 18 Mückenstiche aufwies und das linke nur 8! Einer der Mückenstiche steckte jedoch mitten im Sonnenbrand am Knie. An Kratzen war nicht mal zu denken! Die Krönung des Abends war das Höhenfeuerwerk über Wismar! Es war gut gemacht und in der windstillen Umgebung mit dem spiegelnden Wasser und der Silhouette der Altstadt besonders eindrucksvoll! Zufrieden krochen wir hinterher in die Schlafsäcke (natürlich jeder und jede in den eigenen – jedenfalls soweit ich weiß).

Foto: Kajaks auf dem Wasser während einer Kanutour

Einzelmitgliedertreffen in Wismar 2022, Bild: Werner Münch

Nach der kurzen restlichen Nacht, erwartete uns ein eigentlich wunderschöner, warmer Morgen, nur etwas getrübt durch das übliche Gebrüll unserer gefiederten „Freunde“. Etwas früher als angedacht, booteten wir unter einer warmen Sonne ein. Dieses Mal starteten Walter und Christel in ihrem Zweier und Hund Tom konnte auf Deck zwischen den beiden mitfahren! Es herrschten nicht gerade Ententeichbedingungen, aber Tom schien es großen Spaß zu machen! Halt bekam er durch eine grobe Matte, die auf das Deck gespannt wird. Achim kehrte früh wieder um und Rainer entschied sich ziemlich kurzfristig, doch nicht ins Kajak umzusteigen. Wir paddelten zum Betonschiff, das vor Redentin gestrandet ist. Es ist wirklich sehr flach im gesamten Bereich drumherum. Vorher haben wir uns nicht weiter über das Schiffswrack informiert, daher hat Nicole mal gegoogelt und u. a. das hier gefunden: https://de.wikipedia.org/wiki/Betonschiff_von_Redentin [externer Link]. Wir umrundeten das Wrack und lugten in die Löcher in der Bordwand. Jemand hatte eine Steighilfe mit geknoteten Schlaufen angebracht. Nicole kletterte piratenflink daran hoch und enterte das Wrack. Wieder eingestiegen, paddelten wir durch die Prickenreihen bis nach Redentin. Leider war es nicht möglich, dort anzulanden. Schon mal nicht als Gruppe. Zurück beim Betonschiff, begegnete uns die Lüneburger Gruppe, die ebenfalls beim TSG campierte. Zugleich surrte eine Drohne über uns allen herum! Beide Gruppen hatten einander gegenseitig in Verdacht, sie gestartet zu haben, aber der „Pilot“ muss jemand an Land gewesen sein. Gesehen haben wir niemanden, aber auch wenn am südöstlichen Ufer der Bucht ein Naturschutzgebiet ist, war eigentlich klar, dass es auch kein Ranger gewesen sein kann. Auch ihnen wäre es verboten im Naturschutzgebiet mit Drohnen zu operieren, und uns ohne Einverständnis zu filmen, ist laut DSGVO sowieso verboten. Die Rückfahrt gegen den Westwind von Stärke 3 bis 4 hat Spaß gemacht. Nach insgesamt zwei Stunden erreichten wir wieder das Fahrwasser und schafften es noch, sicher vor dem Frachter Helena VG in den Yachthafen zu kommen. Manche „Binnenländer“ fotografierten ihn begeistert, während ich ihn „eher klein“ fand (86 × 12 m, DWT 3175 t). Schon waren wir wieder am Platz. Einige spülten das Salzwasser von ihren Booten und während wir die Abschlusskaffeetafel abhielten, konnten die Sachen trocknen. Dieses Mal waren am Ende alle Kuchen und Kekse vertilgt! Nichts blieb übrig! Das gab es noch nie!

Das Fazit für dieses Einzelmitgliedertreffen fiel im Großen und Ganzen positiv aus: Schönes Wetter, schöner Platz, schönes Hafenfest, tolles Feuerwerk, gutes Restaurant, gut aufgelegte Paddler, tolle Gespräche und Situationskomik. Größtes Manko: Die Mücken! Ich kam inzwischen auf 36 Stiche am ganzen Körper. Die Viecher haben durch die Kleidung hindurch gebohrt!

So nach und nach hatten alle eingepackt und sich verabschiedet. Die vier Paare, die noch länger blieben, wurden von den Abreisenden schon etwas beneidet.

Spätestens zur Adventswanderung am Einfelder See, können wir uns ja wiedersehen! Da freu‘ ich mich schon drauf!

Werner

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Bericht: Einzelmitgliedertreffen 2022 [pdf-Datei zum Herunterladen]